Praxisfälle  ·  Fall 01 · Handwerk & Nachfolge

Der Bäckermeister, dem die Bank zuerst abgesagt hatte

1,47 Mio € · 38 Mitarbeiter · Süddeutschland

Eine süddeutsche Bäckerei mit drei Filialen, 38 Beschäftigten und 4,2 Mio € Umsatz steht vor der Modernisierung von Energie und Kühltechnik — und gleichzeitig vor der Nachfolge. Die Hausbank lehnt ab. Nicht weil das Unternehmen schlecht ist, sondern weil die Unterlagen es nicht zeigen.

Ausgangslage

Eine gute Geschichte — falsch erzählt.

Thomas T. ist Bäckermeister in dritter Generation. Drei Filialen, ein Café, 38 Beschäftigte, 4,2 Mio € Umsatz, solide schwarze Zahlen. Er will 850 T€ in Photovoltaik und neue Kühltechnik investieren — und gleichzeitig die Nachfolge mit 620 T€ regeln. Gesamtvolumen: 1,47 Mio €.

Die Hausbank, mit der er seit 22 Jahren zusammenarbeitet, lehnt ab. Begründung: zu niedrige EK-Quote (18 %), Businessplan in Word, Nachfolge als Stichpunkt erwähnt, ESG nicht thematisiert. Aus Sicht der Bank ein Klumpenrisiko ohne Strukturierung.

Engpass

Nicht das Unternehmen war das Problem. Die Erzählung war es.

Die Substanz war da: stabile Marge, treue Belegschaft, klare regionale Marktstellung, hohe Energiekosten als nachweisbarer Investitionsanlass. Was fehlte: ein finanzierungsfähiges Zukunftsbild, eine sauber dokumentierte Nachfolge, ein ESG-Mini-Report, der die Investition als Resilienz-Maßnahme einordnet.

„Ich dachte, ein guter Bäcker und gute Zahlen reichen. In Wahrheit verkauft man der Bank Vertrauen in die Zukunft.“

Re-Design

Story, Struktur, ESG — neu aufgesetzt.

Wir übersetzten den Investitionsanlass in ein Zukunftsbild-Canvas: Energieautarkie 65 %, CO₂-Reduktion ~120 t/Jahr, Nachfolgemodell mit Earn-Out und Vesting, Personalbindung über Mitarbeiter-Beteiligung. Aus 1,47 Mio € ‚Renovierung‘ wurde 1,47 Mio € Transformations-Investition.

Parallel: ESG-Mini-Report mit drei messbaren KPIs (Energieintensität, Mitarbeiterfluktuation, Anteil regionaler Lieferanten). Damit war der Zugang zu KfW-Green-Loan und Mittelständischer Beteiligungsgesellschaft eröffnet.

Baustein-Architektur

Fünf Bausteine statt einem Hausbankkredit.

BausteinBetragFunktion
Mittelständische Beteiligungsgesellschaft150.000 €Stilles Beteiligungskapital, EK-Quote-Wirkung
KfW Green Loan (270/271)550.000 €Energie- und Kühltechnik, vergünstigter Zins
KfW ERP-Förderkredit KMU420.000 €Nachfolge und Modernisierung
Hausbankkredit mit Bürgschaft 70 %200.000 €Restfinanzierung, Landesbürgschaft
Eigenkapital150.000 €aus Liquiditätsreserve und Gesellschafterdarlehen
Gesamtvolumen1.470.000 €

Ergebnis

Aus einer Absage wurde eine bewilligte Finanzierung.

Die Bank, die zuerst abgelehnt hatte, ist heute Konsortialführer mit 70 % Bürgschaft im Rücken. Die EK-Quote stieg auf 26 % (durch stille Beteiligung), der gewichtete Mischzins auf 3,4 % statt der ursprünglich angebotenen 5,1 %.

3,4 %Mischzins (statt 5,1 %)
26 %EK-Quote (statt 18 %)
25.100 €Zinsersparnis Jahr 1

Methode dahinter

Diagnose · Re-Design · Baustein-Architektur · Umsetzung.

Jeder unserer Fälle folgt derselben Logik: erst den wahren Engpass benennen, dann die Story und die Struktur neu aufstellen, dann den richtigen Kapitalstapel komponieren — und am Ende das Mandat bis zur Auszahlung koordinieren. Der Strategie-Workshop ist der Eingang.